Was ein Forststiefel bei der Arbeit mit der Motorsäge mitbringen muss, fasst die DGUV Regel „Waldarbeiten“ in ihrer Betriebsanweisung zusammen: Zehenkappe, Knöchelschutz, Schnittschutz und ein griffiges Profil. Welcher Schutz an deinem Arbeitsplatz vorgeschrieben ist, legt die Gefährdungsbeurteilung deines Arbeitgebers fest, in Österreich die Arbeitsplatzevaluierung. Maßgeblich ist immer die Kennzeichnung am Schuh.
Schnittschutzstiefel, oft auch Schnittschutzschuhe genannt, werden nach EN ISO 17249 geprüft. Die Norm kennt laut DGUV drei Klassen, je nachdem, bis zu welcher Kettengeschwindigkeit der Schutz geprüft ist:
Eine Klasse 4, die in älteren Unterlagen noch auftaucht, hat die Norm laut DGUV mit der Ausgabe 2014 gestrichen. Welche Klasse du brauchst, hängt von deiner Säge ab: Die Kettengeschwindigkeit gibt laut DGUV der Hersteller der Motorsäge in der Bedienungsanleitung an, und die Klasse des Stiefels sollte mindestens dazu passen.
Der Schutzbereich muss laut DGUV vorne Zehen, Vorfuß und Lasche abdecken und von der Mitte aus mindestens 70 mm zu beiden Seiten reichen. Bei Klasse 1 und 2 darf zur Sohle hin eine Lücke von bis zu 10 mm bleiben, bei Klasse 3 keine. Schnittschutz kann laut DGUV die Kette abweisen, mit herausgezogenen Fasern das Antriebsritzel der Säge blockieren oder die Kette abbremsen. Bei den vier Stiefeln aus unserem Sortiment, die das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik, kurz KWF, geprüft hat, nennt das KWF als Wirkweise „Lagenschnittschutz, abbremsend“. Einen Vollschutz gibt es laut der deutschen Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, kurz SVLFG, und laut Treemme nicht.
Einen Schnittschutzstiefel erkennst du am Motorsägen-Piktogramm mit der Klasse. Es muss laut DGUV gut sichtbar außen am Schuh sitzen und mindestens 30 × 30 mm groß sein. Zugleich ist jeder Schnittschutzstiefel ein Sicherheitsschuh nach EN ISO 20345 mit Zehenschutzkappe. Was er darüber hinaus kann, zeigt das Etikett: eine Kategorie wie S3 oder S7S oder nur einzelne Kürzel, beim AKU Superalp Forest GTX laut AKU etwa A E P WRU WR CI. Die wichtigsten Angaben:
Verwechsle das Kürzel CR nicht mit Schnittschutz: Es steht laut DGUV für schnittfestes Obermaterial und schützt nicht vor der Kettensäge. Auch hat nicht jeder bergtaugliche Sicherheitsstiefel Schnittschutz: Der AKU Montagnard Work S3 GTX und der La Sportiva Nepal S3 Work GTX, die du ebenfalls in dieser Kategorie findest, sind S3-Stiefel ohne Schnittschutz nach EN ISO 17249 und damit keine Stiefel für die Motorsäge.
Bei der Zehenkappe verbaut AKU im Cimbra GTX laut AKU eine Aluminiumlegierung, Garsport im Wood Breaker laut Datenblatt Aluminium. Kappen aus anderem Material als Stahl erlaubt die Norm laut DGUV nur, wenn auch der Zehenbereich mit der Kettensäge geprüft wurde.
Eine stark profilierte Sohle erhöht laut DGUV Regel „Waldarbeiten“ die Standsicherheit im Hang, bei Frost oder Schnee nennt dieselbe Regel Hilfsmittel wie Steigeisen. Beim Besteigen von Holzpoltern nennt sie Sicherheitsschuhe mit Spikes, bei beregneten Poltern und gefrorenem Holz geeignete Steigeisen. Das KWF zählt Spikes laut seinem Prüfbericht zum AKU Cimbra GTX von 2026 zur Grundanforderung für sein Prüfzeichen. Montier Spikes nur dort, wo der Hersteller es erlaubt: AKU lässt beim Cimbra GTX Einschraubspikes nur im Mittelsteg zu, Spikes an Vorfuß- oder Fersenstollen machen laut AKU die CE-Zertifizierung ungültig.
Neue Sohlen können laut Treemme anfangs weniger rutschhemmend sein als im Prüfergebnis angegeben. Für Steigeisen nennt Treemme im Datenblatt die Vibram-Sohle des 91225 steigeisenfest, die des 91226 bedingt steigeisenfest. Beim Garsport Wood Breaker widerspricht sich das mehrsprachige Datenblatt: Der deutsche Text nennt halbautomatische Steigeisen, der italienische automatische. Geh im Zweifel von halbautomatischen aus.
Die meisten Modelle hier haben eine Membran: GORE-TEX bei AKU, die PTFE-Membran AQUASTOP bei vielen Treemme-Modellen, H-DRY bei Garsport und laut Produktbeschreibung eVent bei Fitwell. Dass der ganze Schuh dicht ist, belegen aber erst WR, S7 oder S7S auf dem Etikett. Mehr dazu bei den wasserdichten Sicherheitsschuhen. Im KWF-Praxistest hielt der AKU Cimbra GTX Nässe lange stand, bei warmer Witterung kam es aber zu leichtem Wärmestau. Das Kürzel CI für einen kälteisolierten Unterbau tragen laut Hersteller unter anderem AKU Cimbra GTX, AKU Superalp Forest GTX und die Treemme 91223, 91225 und 91226.
Die Treemme 1104 und 1189 sind Lederstiefel ohne Membran. Das KWF fand den 1104 etwas nässeanfällig, sein Futter trocknete langsam. Beim 1189 notierte es bei Nässe eine lange Trocknungszeit und bei Wärme eine geringe Atmungsaktivität, gepflegt werden musste er wöchentlich. Dafür sind beide genäht statt geklebt, der 1104 laut KWF zwiegenäht, der 1189 laut Treemme doppelt genäht, und Treemme nennt in seiner Pflegeanleitung den Sohlentausch bei starkem Verschleiß. Mehr dazu bei den zwiegenähten Schuhen.
Für Sägearbeiten nennt die SVLFG Sicherheitsschuhe mit hohem Schaft für den Knöchelschutz. Höher heißt nicht automatisch bequemer: Beim Treemme 1108 traten im KWF-Test vereinzelt Scheuerstellen an der Wade auf, beim 1189 ließ der breite Schaftabschluss vereinzelt Späne in den Schuh. Beim AKU Cimbra GTX lobten die KWF-Tester den Halt im Knöchelbereich, die Senkel fanden sie aber zu steif, sie lösten sich beim Tragen. Beim Treemme 1104 sorgen laut KWF die tief reichende Schnürung und die große Lasche für eine gute Passform, das Anziehen ist durch die Konstruktion der Lasche aber etwas aufwendig.
Schnittschutz ist laut SVLFG ein Kompromiss zwischen Tragekomfort, also der Dicke der Schutzlagen, und Schutzwirkung. Eine Größentabelle nach Fußlänge haben wir nur bei AKU gefunden. AKU baut Cimbra GTX und Superalp Forest GTX auch in halben Größen. Wie verschieden Forststiefel geschnitten sein können, zeigte 2025 ein Praxistest der Landwirtin Viktoria Hutter für das Agrarfachmagazin top agrar mit drei Forststiefeln anderer Marken: Beim Umstieg in ein wesentlich breiter geschnittenes Modell hatte das Testteam „fast das Gefühl, im Schuh zu schwimmen“.
1. Beide Füße messen: Stell dich laut AKU auf ein Blatt Papier und markier Zehen und Ferse, bei beiden Füßen. Sind sie verschieden lang, nimm laut AKU die Größe für den größeren Fuß. Die DGUV rät, möglichst am Nachmittag zu messen.
2. Innensohle als Schablone: Nimm die Einlegesohle heraus und stell dich darauf. Laut SVLFG stimmt die Größe, wenn die Sohle 1,5 cm länger und etwas breiter ist als dein Fuß.
3. Mit Arbeitssocken anprobieren: Sicherheitsschuhe werden laut Treemme mit Strümpfen getragen. Probier den Stiefel mit den Socken an, die du im Wald trägst, im Winter mit den dicken.
4. Kappe prüfen: Die Zehenschutzkappe muss laut SVLFG alle Zehengelenke überdecken. Geh in die Hocke und eine Treppe hinunter: Die Zehen dürfen vorne nicht anstoßen, am Kappenrand darf nichts drücken.
5. Fest schnüren, Ferse prüfen: Schnür den Stiefel so, wie du ihn im Hang schnürst: Die Ferse darf beim Gehen nicht rutschen. Beim AKU Cimbra GTX bewerteten die KWF-Tester die Passform mit sehr gut bis gut, wegen des Freiraums rutschte der Fuß aber bei einigen, und die Klemmhaken hielten die Schnürung nicht immer. Prüf den Fersenhalt beim Cimbra deshalb besonders genau. Beim Treemme 1104 war die Ferse einigen KWF-Testern etwas eng.
6. Einlagen nur mit Freigabe: Andere Einlegesohlen als die vom Hersteller angebotenen sind laut DGUV unzulässig. Was für orthopädische Einlagen gilt, steht in den Fragen unten.
7. Leder einlaufen: Beim Treemme 1189 stellten die KWF-Tester eine lange Einlaufphase fest. Zum geprüften 1108 aus Juchtenleder schreibt das KWF, die Einlaufzeit sei bei Juchtenlederstiefeln im Allgemeinen sehr lang, der Stiefel bleibe hart. Trag neue Lederstiefel deshalb zuerst an kürzeren Arbeitstagen.
Angaben laut Herstellern, beim Treemme 1189 laut KWF. Maßgeblich ist immer die Kennzeichnung an deinem Paar.
| Modell | Schnittschutz | Kennzeichnung | Obermaterial, Membran | Sohle, Bauart |
|---|---|---|---|---|
| AKU Cimbra GTX | Klasse 3 | EN ISO 20345:2011 S3 HI CI WR HRO SRC | Veloursleder 2,6 mm, GORE-TEX | Vibram Foura, Zwischensohle aus Bi-Density-PU, Kappe aus Aluminiumlegierung |
| AKU Superalp Forest GTX | Klasse 2 | A E P WRU WR CI | Velours-Mikrofaser, GORE-TEX | Vibram Foura, EVA-Zwischensohle |
| Treemme 1189 | Klasse 2 laut KWF | A E P WRU WR FO HRO SRA | Rindsleder, ohne Membran | TRAIL-Sohle aus Nitrilgummi, mit Spikes ausstattbar |
| Treemme 91225 | Klasse 3 | EN ISO 20345:2022+A1:2024 S7S HI CI CR SC SR HRO FO LG | Nubuk aus einem Stück, AQUASTOP | Vibram Teton, geklebt, steigeisenfest laut Treemme |
| Garsport Wood Breaker High | Klasse 3 | S3 WR | Veloursleder und geprägtes Leder, H-DRY | Vibram Teton, Aluminiumkappe |
Ebenfalls Klasse 3 sind laut Produktbeschreibung die Fitwell-Modelle Woodmaster Evo und Chop. Beim Gewicht liegen die Bauarten weit auseinander: Laut Treemme wiegt der geklebte 91225 2,30 kg pro Paar, der doppelt genähte 1189 rund 3,0 kg, jeweils in Größe 43. AKU gibt für den Cimbra GTX 1.200 g pro Schuh an, also rund 2,4 kg pro Paar.
Das Prüfzeichen des KWF bestätigt laut DGUV zusätzlich zur CE-Kennzeichnung die Gebrauchstauglichkeit für die Waldarbeit. Getestet wird von Profi-Waldarbeitern, laut einem KWF-Beitrag von 2007 meist ein Jahr lang und mit mindestens 100 Einsatztagen. Jedes Modell bekommt einen eigenen Prüfbericht mit Gesamturteil, eine Rangliste enthalten die Berichte nicht. Vier Modelle aus unserem Sortiment hat das KWF als „KWF-Profi“ anerkannt:
Zu den übrigen Modellen haben wir keine unabhängigen Tests gefunden.
Wurde ein Schnittschutzstiefel durch die Kettensäge beschädigt, darf er laut Treemme nicht repariert werden, er muss ausgetauscht werden. Weitere Austauschgründe der DGUV stehen in den Fragen unten. Nasse Stiefel trocknest du laut Treemme bei Raumtemperatur und nie direkt an einer Wärmequelle, das Leder hältst du mit Fett weich. Passende Pflegemittel findest du bei uns.
Alle Modelle der Marken findest du bei Treemme, AKU, Garsport und Fitwell.
Quellen: DGUV Regel 114-018 „Waldarbeiten“, Ausgabe Oktober 2025, DGUV Regel 112-191 „Benutzung von Fuß- und Knieschutz“, Ausgabe Dezember 2025, DGUV Sachgebiet Fußschutz mit FAQ, SVLFG, AUVA, KWF-Prüfberichte, top agrar und Unterlagen der Hersteller. Stand: Oktober 2026.
Das hängt von der Kettengeschwindigkeit deiner Säge ab, die laut DGUV in der Bedienungsanleitung der Motorsäge steht. Die EN ISO 17249 kennt drei Klassen: Klasse 1 ist bis 20 m/s geprüft, Klasse 2 bis 24 m/s, Klasse 3 bis 28 m/s. Die frühere Klasse 4 hat die Norm laut DGUV 2014 gestrichen. Was an deinem Arbeitsplatz vorgeschrieben ist, legt die Gefährdungsbeurteilung deines Arbeitgebers fest, in Österreich die Evaluierung. Wir führen Forststiefel der Klassen 2 und 3.
Am Motorsägen-Piktogramm mit der Klasse. Es muss laut DGUV gut sichtbar außen am Schuh sitzen und mindestens 30 mal 30 mm groß sein. Achtung: Das Kürzel CR steht für schnittfestes Obermaterial und ist laut DGUV kein Schutz gegen die Kettensäge. Auch ein S3- oder S7-Stiefel hat ohne das Piktogramm keinen Schnittschutz nach EN ISO 17249.
Ein Sicherheitsschuh ist er immer, die Kategorie S3 trägt aber nicht jeder. Ein Schnittschutzstiefel muss laut DGUV zugleich die Anforderungen an Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 erfüllen und hat deshalb eine Zehenschutzkappe. Was er darüber hinaus kann, steht auf dem Etikett: Der AKU Cimbra GTX trägt zum Beispiel S3 WR nach der Ausgabe 2011, der Treemme 91225 laut Treemme S7S nach der Ausgabe 2022. Beim AKU Superalp Forest GTX nennt AKU statt einer Kategorie die einzelnen Kürzel A E P WRU WR CI. S7 und S7S heißen: wie S3 bzw. S3S, zusätzlich ist der ganze Schuh auf Wasserdichtheit geprüft.
Das Prüfzeichen des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik bestätigt laut DGUV zusätzlich zur CE-Kennzeichnung die Gebrauchstauglichkeit für die Waldarbeit. Getestet wird von Profi-Waldarbeitern im Praxiseinsatz. Aus unserem Sortiment hat das KWF den AKU Cimbra GTX nach einem Praxistest 2025/26 anerkannt, dazu die Treemme-Modelle 1189, 1104 und 1108, deren Prüfergebnisse von 2006 bzw. 2012 stammen. Jedes Modell bekommt einen eigenen Prüfbericht mit Gesamturteil, eine Rangliste enthalten die Berichte nicht.
Nur dort, wo der Hersteller es erlaubt. AKU lässt beim Cimbra GTX Spikes nur im Mittelsteg zu, an Vorfuß- oder Fersenstollen wird laut AKU die CE-Zertifizierung ungültig. Die DGUV Regel „Waldarbeiten“ nennt beim Besteigen von Holzpoltern Sicherheitsschuhe mit Spikes, bei beregneten Poltern und gefrorenem Holz geeignete Steigeisen. Für das KWF-Prüfzeichen sind Spikes laut dem KWF-Prüfbericht zum AKU Cimbra GTX von 2026 Teil der Grundanforderung.
Nur Einlagen, die der Hersteller für das Modell anbietet. Andere Einlegesohlen sind laut DGUV unzulässig, orthopädische Einlagen müssen gemeinsam mit dem Schuh geprüft sein. Schnittschutzstiefel lassen sich laut DGUV gar nicht oder nur bis zu einem gewissen Grad orthopädisch verändern, etwa mit Einlage oder Sohlenerhöhung nach Vorgabe des Schuhherstellers. In Österreich gibt es dafür die Verwenderbescheinigung für orthopädische Sicherheitsschuhe nach ÖNORM Z 1259, das Formular stellt die AUVA bereit.
Wenn die Kettensäge ihn beschädigt hat: Laut Treemme darf der Stiefel dann nicht repariert werden, er muss ersetzt werden. Die DGUV nennt weitere Gründe, etwa ein Profil unter 1,5 mm im Biegebereich, Risse in der Laufsohle, die länger als 10 mm und tiefer als 3 mm sind, gerissene Nähte oder Abrieb, bei dem die Zehenkappe sichtbar wird.
Eigene Damen-Forststiefel haben wir nicht im Sortiment. AKU führt Cimbra GTX und Superalp Forest GTX auch in seiner Damenkollektion, ab EU 37½. Die Treemme 91223, 91225 und 91226 gibt es laut Datenblatt ab Größe 37. Die SVLFG rät Frauen, sich nicht mit kleinen Herrengrößen zufriedenzugeben. Brauchst du eine Größe unter 40, frag uns.
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